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Bild des Benutzers aliciatweety1983
Beigetreten: 3. Februar 2017 - 13:17
Wegen Winkelfehlsichtigkeit nicht mehr im Büro arbeiten können

Hallo zusammen,

ich bin extrem verzweifelt. Ich bin von Beruf Fremdsprachensekretärin, bin 35 Jahre alt und bin bis zu meinem 30. Lebensjahr mit einer unerkannten, starken Winkelfehlsichtigkeit (Doppelbilder in der Nähe und Ferne) durchs Leben gelaufen und bin dementsprechend seit Jahren von Spannungskopfschmerzen geplagt. Schlimmerweise hat es kein Augenarzt erkannt! .

2013 wurde ich das erste Mal operiert, 2015 das 2. Mal. Der Schielwinkel in PC-Nähe wurde weitestgehend behoben, aber seit meiner 2. OP haben sich die Schmerzen sehr verändert, alles wirkt so starr und fest um die Augen und entspannte Arbeit am Bildschirm ist mir nur ca. 10 min möglich, danach fühle ich mich völlig überlastet. Trotz feindosierter Prismenbrille, PC-Brille, Augentropfen... Die Ärzte sagen, das OP-Ergebnis ist top, sie könnten sich das nicht erklären und man könnte auch nichts mehr operieren.

Seit 1,5 Jahren kann ich nun nicht mehr in meinem Beruf arbeiten und muss mir eine Alternative - ohne Bildschirmarbeit bzw. viel Lesetätigkeit suchen. Ich bin echt völlig am verzweifeln, da es ja in fast jedem Beruf heutzutage nicht mehr ohne PC geht.Wie geht es euch damit? Musstet ihr auch schon wegen eurer Augenproblematik euren Büro-Job aufgeben? Ich würde mich freuen, über eure Erfahrungen zu hören, da ich bisher noch nie jemanden getroffen habe, dem es ähnlich ging und ich mich total alleine damit fühle.....Eure Anna

Bild des Benutzers Sascha
Beigetreten: 20. Juni 2018 - 20:19

Liebe Anna,

dass deine Winkelfehlsichtigkeit nicht von einem Augenarzt erkannt wurde, hat mehrere Gründe. Die Medizin lehnt die Winkelfehlsichtigkeit ab, für Sie hast Du ein Schielen. Zudem lernen Augenärzte meines Wissens nach nicht viel über Schielheilkunde. Schielheilkunde betrifft Strabologen und Orthoptisten, die werden ganz speziell darauf geschult.

Der Augenarzt kann hierbei leider zu recht nicht helfen, er weiß es nicht besser.

Ich höre im Augenoptiker Alltag öfter mal, dass Betroffene sich insbesondere auch am Bildschirm ein Auge abdecken oder geschlossen halten. Hin und wieder lerne ich auch Menschen kennen die ohne Prismenbrille nicht mehr leben können, wo ich wohl auch dazu gehöre.
Menschen die deshalb ihren Arbeitsplatz verloren haben, sind mir nicht bekannt. Aber Winkelfehlsichtige gibt es genug. Leider gibt sich so eine kleine Prismenbrille nicht ohne weiteres zu erkennen.

Die Literatur spricht davon, dass sich bei min. 80% der Menschen eine Winkelfehlsichtigkeit nachweisen lässt. Nur bei etwa 20% bereitet sie Probleme. Rechnet man das auf die deutsche Bevölkerung, sind es 12.8 Mio die von einer Prismenbrille profitieren könnten.

Einen Teil davon bzw. Gleichgesinnte findest du auch in der Selbsthilfegruppe Winkelfehlsichtigkeit, die wunderbare Arbeit leistet. Unter www.shgwf.de findest du sie. Auch einige Facebook Gruppen bieten Möglichkeiten für einen weiteren Austausch.

Ich selbst leide schon ewig unter meiner Winkelfehlsichtigkeit. Man hatte sie lange nicht erkannt, über Umwege hat man bei mir eine hohe Winkelfehlsichtigkeit festgestellt. Ich habe in meiner Kindheit eine suizidale Phase durchlaufen, die ich mit der Prismenbrille beenden konnte. Ich bin immer sehr neugierig gewesen, häufige Kopfschmerzen, ADS ähnliche Symptome haben ziemlich viel kaputt gemacht.

Je nachdem, würde ich überlegen mich von einer Universität oder FH für Optometrie vermessen zu lassen. Das macht die Augen nicht besser, gibt aber Gelegenheit für eine kompetente Zweitmeinung. 

Bild des Benutzers Olimla
Beigetreten: 1. September 2015 - 14:10

Ist es denn einäugig nicht besser?

Wie siehts aus mit Zweitmeinungen?

Bild des Benutzers aliciatweety1983
Beigetreten: 3. Februar 2017 - 13:17

Hallo Sascha, danke für deine ausführliche Antwort. Ich bin nach einem Zusammenbruch in  2015 nochmal in Teilzeit in meinem Beruf eingestiegen. Zuvor hatte ich alles probiert: ein Auge abdecken, Prismenfolie auf das Glas...das ganze Spektrum. Trotzdem ging es nicht. Auch nicht in Teilzeit. Was meinest du mit "Leider gibt sich so eine kleine Prismenbrille nicht ohne weiteres zu erkennen."?

An die Selbsthilfegruppe werde ich mich auf jeden Fall mal wenden. Bei Facebook habe ich allerdings keine Gruppe zu der Problematik gefunden Sad

Was Zweitmeinungen angeht ist das sehr schwierig, da es überhaupt sehr schwer war jemanden zu finden, der mich überhaupt operiert, da es wohl schwierig war die Doppelbilder in Nähe UND Ferne gleichzeitig zu beheben bzw. den Schielwinkel zu finden der "erträglich" ist. Die Uniklinik Freiburg und Tübingen haben mich aufgegeben, auch eine sehr bekannte Augenärztin in Freiburg. Leider weiß ich nicht, welche Kliniken noch empfehlenswert wären. Ich habe mal von Erlangen gehört....

Kann man sich einfach bei Universitäten/FHs melden und die Augen dort vermessen lassen, also praktisch als "Versuchskarnickel"? Smile

Liebe Grüße,

Anna

Bild des Benutzers aliciatweety1983
Beigetreten: 3. Februar 2017 - 13:17

Hallo Olimla,

ich habe mal einäugig versucht ein Buch zu lesen, das hat mich wahnsinnig angestrengt und alles verschwamm in kürzester Zeit vor den Augen.

Mit Zweitmeinungen ist es wie oben schon Sascha geschildert....die Uniklinik Freiburg und Tübingen können nichts (mehr) für mich tun. Auch eine sehr bekannte Augenärztin auf dem Gebiet sagt ich soll damit "leben" lernen. Ich weiß nicht wohin ich mich sonst wenden soll....

Liebe Grüße,

Anna

 

Bild des Benutzers user250
Beigetreten: 21. Oktober 2015 - 18:04

Hallo Anna!

Ich habe gerade in dem anderen Thread hier https://optometrie-online.de/content/doppelbilder-im-linksblick-langsame... eine Antwort geschrieben, über meine Versuche mit meiner Hornhautverkrümmung. Vielleicht ist das für dich auch interessant. Außerdem kannst du dich einmal über die Irlen-Methode informieren, falls du die noch nicht kennst.

Viele Grüße!

Bild des Benutzers TomTomson
Beigetreten: 14. März 2018 - 3:02

Hi,

habe zurzeit das genau gleiche Problem wie du. Habe auch viel zu lange damit gelebt ohne etwas zu machen. Habe jetzt meine erste OP hinter mir und der Schielwinkel wurde deutlich verringert. Leider blieben die Probleme bestehen, nun ist eine 2. OP in Planung mit vorherigem Prismentest, doch selbst mit Prismenvollkorrektur merke ich kaum eine Erleichterung. Ja selbst wenn ich ein Auge abdecke merke ich keine Erleichterung. Da wussten meine Augenärzte natürlich auch nicht weiter, denn wenn man selbst mit abgedecktem Auge Beschwerden hat kann es ja offensichtlich nicht von einem binokulären Problem kommen.

So, bin dann natürlich auch erstmal schön verzweifelt und hab mich dumm und dämlich gegoogelt, aber ich denke ich habe jetzt womöglich die Lösung gefunden. Also das Problem ist folgendes: wenn man lange mit dem Schielen lebt, müssen die Augen ständig extrem viel Kraft aufwenden um die Augen in der richtigen Position zu halten, die Muskeln krampfen richtig und folglich entstehen die Kopfschmerzen. Auf Dauer wird dies dann im Gehirn abgespeichert und automatisiert, sprich selbst wenn die Augen nicht mehr so viel arbeiten müssten, ist der Muskeltonus viel zu hoch, denn dein Gehirn kennt es ja nicht mehr anders. 

Um dieses Problem zu lösen müssen daher gewisse Sehprozesse neu erlernt werden. Dies erreicht man mit Visualtraining, also mit Vergenzübungen u.ä.. Denn man kann tatsächlich seine Augen "falsch" bzw. ineffizient bewegen. Dies kannst du selber recht schnell merken, wenn du z.B. mit der Brock-Schnur (das ist diese Schnur mit den Kügelchen dran) die Konvergenz übst. Zu Beginn werden sich die Augen regelrecht auf ein Kügelchen "fest-krampfen" weil sie das ja bisher so gelernt haben. Dies funktioniert zwar, ist aber sehr unangenehm und auf Dauer funktioniert das natürlich nicht. Nun können wir lernen, dass man die Augen auch "sanft" konvergieren kann. Wichtig ist, dass man die Übungen so entspannt wie möglich ausführt und sich auf die saubere Bewegung der Augen konzentriert. Diese Übungen muss man natürlich eine gewisse Zeit lang durchführen, denn das "falsche" Sehen haben wir auch über viele Jahre hinweg langsam erlernt, daher sollte man schon mit ein paar Monaten rechnen.

Wenn du vorher jegliche Fehlsichtigkeiten der Augen als Ursache ausgeschlossen bzw. korrigiert hast, könntest du dem Visualtraining ja mal eine Chance geben. Am besten machst du es unter professioneller Leitung. Ich habe selbst erst damit angefangen und kann dir leider noch keine Erfolgsgeschichte liefern. Mir hat das ganze ein erfahrener Orthoptist so erklärt und ich finde es klingt durchaus plausibel. In ein paar Monaten kann ich gerne mal ein Feedback geben.

Freundliche Grüsse und alles Gute

Tom

Bild des Benutzers TomTomson
Beigetreten: 14. März 2018 - 3:02

Kannst mal nach Konvergenzschwäche bzw. Convergence Insufficiency googeln und schauen ob du dich da wiederfindest. Die saubere Konvergenzbewegung muss erlernt werden, da kann eine Operation leider nicht viel helfen.

Bild des Benutzers MatthiasM
Beigetreten: 7. Mai 2003 - 0:00

Wie hoch ist denn der Restwinkel und wie wurde gemessen ?

Bild des Benutzers TomTomson
Beigetreten: 14. März 2018 - 3:02

Weitere Möglichkeiten für deine Problematik die mir noch einfallen könnten sein:

-ein unentdeckter vertikaler Schielwinkel

-Verspannungen im Hals und Nackenbereich

Deine Schilderung könnte auf Verspannungen hinweisen. Die verschwinden natürlich nicht magisch mit der Schieloperation. Aber wenn der Nacken starr ist, merkt man das auch in den Augen. 

Bild des Benutzers MatthiasM
Beigetreten: 7. Mai 2003 - 0:00

Ich würde vor dem geschilderten Hintergrund eher an eine Depression denken, weil diese Erkrankung die Wahrnehmung des Augendrucks noch verstärken könnte.

Bild des Benutzers TomTomson
Beigetreten: 14. März 2018 - 3:02

Jo, wenn man ewigs Probleme mit den Augen hat, steigert man sich da schon ein wenig hinein was auch die Wahrnehmung dort verstärkt, aber ich bezweifle, dass diese Symptome rein psychogen sind. Ist man depressiv, lässt dies den Blick zusätzlich starrer werden. Dennoch würde ich ihr auch empfehlen nach Verspannungen im oberen Hals und Nackenbereich zu suchen.

Bild des Benutzers user250
Beigetreten: 21. Oktober 2015 - 18:04

@TomTomson: Was aber, wenn die Verspannungen durch einen Sehfehler überhaupt erst entstehen? Es gibt doch hier leider auch das "Henne-Ei"-Problem.

Bild des Benutzers TomTomson
Beigetreten: 14. März 2018 - 3:02

Jo ich nehme sogar stark an, dass die Verspannungen durch den Sehfehler entstanden sind. Aber lösen kann man sie ja trotzdem.

Bild des Benutzers MatthiasM
Beigetreten: 7. Mai 2003 - 0:00

Hier von "Hineinsteigern" zu sprechen, wenn die berufliche Existenz in die Brüche geht und man nicht weiß, ob ich die Anforderungen einer neuen Tätigkeit jemals zu bewältigen sind, ist schon sehr verharmlosend. Dass der Blick eines Depressionskranken starrer wird, war mir bisher unbekannt. Ist dieser Umstand tatsächlich so in der wissenschaftlichen Literatur zu finden ?

Bild des Benutzers Sascha
Beigetreten: 20. Juni 2018 - 20:19

Dass der Blick eines Depressionskranken starrer wird, war mir bisher unbekannt. Ist dieser Umstand tatsächlich so in der wissenschaftlichen Literatur zu finden ?

Aus meiner Sicht können depressiv assoziierte Symptome die Folge einer Winkelfehlsichtigkeit sein, weniger umgekehrt. Man kann schonmal in ein "Loch fallen", wenn der Beruf liegen bleibt. Mal ganz davon abgesehen, dass Sehen nicht nur im Beruf eine Rolle spielt.

Speziell zu diesem Fall, sind mir keine Informationen bekannt. Eine Korrelation zwischen Winkelfehlsichtigkeiten und Psychosen sollte dringend erforscht werden. Da die Winkelfehlsichtigkeit aber medizinisch kaum anerkannt wird, müssen wir uns da noch etwas gedulden. Spannende vergleichbare Informationen im folgenden :

Dr. Gorzny kommentiert den Bericht von der Ärztezeitung damit, dass er sehr oft Kinder mit suizidalen Wünschen in seiner Praxis hat. Mir sind solche Schicksale auch bekannt. Den Bericht, mit dem Kommentar ist hier zu finden : https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_kr...

Ebenso spannend ist die Studie von Brown 1999, die im Buch "Altern und Auge" von Dr. Berke erwähnt wird. Hier wird davon gesprochen, dass eine Einschränkung der Sehschärfe auf 50% von vielen Menschen als ähnlich bedrohlich empfunden wird, wie ein mittelschwerer Herzinfarkt. Das betrifft zwar nicht das Binokularsehen, zeigt aber dennoch, dass Verluste der Sehfähigkeit uns auch psychisch nicht kalt lassen. Ein Link zur Studie konnte ich leider nicht ermitteln.

Bild des Benutzers Olimla
Beigetreten: 1. September 2015 - 14:10

Wieso denn Psychosen? Eine Depression ist keine Psychose.

Man muss in dem Fall auch nicht zwingend Winkelfehlsichtigkeit und Arbeitsunfähigkeit untersuchen. Man kann Depression aufgrund von Arbeitsunfähigkeit durch körperliche Beeinträchtigung untersuchen und hier nehme ich doch stark an, dass es schon etwas gibt. Weiterhin erschiene mir - wie dir auch - eine positive Korrelation zwischen beidem auch nicht erstaunlich, da die Arbeit für die meisten Menschen ein sehr sinnstiftendens Element ist.