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Beigetreten: 16. November 2021 - 22:35
Schiel-OP schnellsmöglich angesetzt, Zweitmeinung?

Hallo und guten Abend,

meine 3,5jährige Tochter hat direkt zu Anfang Oktober stark angefangen zu schielen. Das Schielen trat zunächst nur sehr selten auf (einmal vormittags für 2 Stunden, dann am nächsten Tag nochmal kurz). Wir sind am 3. Tag per Notfall in die Sehschule einer Uniklinik überwiesen worden. Während der langen Wartezeit habe ich ihr einen Film gezeigt, da fing sie wieder an sehr stark zu schielen und mit diesem Symptom sind wir dann zur Orthoptistin rein. Dort wurde meine Tochter eingehend untersucht. Leider kenne ich mit Augenheilkunde überhaupt nicht aus und weiß nicht, was da alles für Tests gemacht wurden. Sie musste mehrmals durch verschiedene Optiken gucken. Sie hat den Lang-Test bestanden. Sie hat Sehtests mit jeweils einem abgklebten Auge gemacht. Es wurde auch getropft und 30 min danach wurde der Sehtest wiederholt.

Die Orthoptistin meinte dann direkt, dass sie von einem normonsensorischen Spätschielen ausgeht oder einer anderen Erkrankung (Namen habe ich vergessen) die sehr ähnlich sei und auch gleich behandelt werden würde. Es wäre wichtig zeitnah zu operieren. Sie holte sich jedoch noch den Assistenzarzt herbei. In der Zwischenzeit war meine Tochter auf dem Schoß eingeschlafen (laut Orthoptistin machen die Tropfen müde) und der Arzt konnte in aller Ruhe nochmal die Augen meiner Tochter untersuchen.

Der Augenarzt jedoch revidierte die Diagnose der Orthoptistin und meinte er gehe von davon aus, dass meine Tochter aufgrund ihrer geringen Weitsichtigkeit schiele. Wir hatten gerade einen Infekt durchgemacht und es sei typisch, dass die Kinder im zeitlichen Zusammenhang mit einer Erkrankung beginnen zu schielen. Sie bekam eine Brille verschrieben, die sie umgehend bekommen und ständig tragen sollte. Hier einmal die Werte aus dem ersten Arztbrief:

Aktuelle Diagnose: dekompensierende Esophorie, DD akkomodativer Strabismus. Hyperopie
Visus Ferne: RA: 0,5 sc Lea-Test. LA: keine Koop mehr
Skiaskopie in Cycloplegie: RA: +2,5 sph. LA: +2,5 sph -0,5cyl A180°
Befund:
SpRA/LA: Lider unauffällig, Bindehaut reizfrei, Hornhaut glatt und klar, Vorderkammer tief und reizfrei, Pupille in medizinischer Mydriasis, Linse klar
FdRA/LA: Pupille randscharf, vital, CD 0,1, Makula regelrecht, zirkuläre Netzhautanlage
Orthoptischer Befund: Binokularsehen Diplopie
Augenstellung: Ferne: Ortho- bis Esotropie alterans / Nähe: Ortho- bis Esotropie dexter, nach HHR C 30^
Motilität: nac Führungsbewegungen sicher frei

Leider hat meine Tochter erst nach knapp einer Woche die Brille bekommen (RA +2,0 sph, LA +2,0 sph -0,5cyl A 180°) und die saß dann auch noch ziemlich schlecht. Sie rutschte trotz ständiger Optikerbesuche häufig auf die Nasenspitze und wurde von den Erziehern im Kindergarten auch nicht korrigiert. Das Ende vom Lied. Wir hatten nach 5 Wochen wieder einen Termin in der Sehrschule und erst eine Woche vorher hat meine Tochter die Brille quasi korrekt getragen. Ihr Schielen war mittlerweile sehr, sehr häufig, unterbrochen von kurzen Sequenzen des Parallelstandes.

Meine Tochter wurde wieder von der gleichen Orthoptistin untersucht, diesmal ohne zu tropfen. Ich erzählte der Orthoptisitin, dass die Brille nicht gut gesessen habe, woraufhin sie antwortet: "Naja aber sie hat trotzdem durch die Gläser geguckt, oder? Das ist dann schon ok so." Ich wurde gefragt, ob das Schielen nur zu Hause oder auch draußen auf dem Spielplatz bei größeren Entfernungen auftrat und ich sagte, dass es eigentlich keinen Unterschied machte, war mir dessen aber nicht völlig sicher.

Die Orthoptistin machte wieder Sehtests mit und ohne Brille und Untersuchungen mit Optiken, maß u.a den Schielwinkel mit Prismen, der sehr stark war. Meine Tochter schielt überwiegend mit dem rechten Auge und kneift oder hält dieses oft zu. Sie hat also bereits ein Lieblingsauge. Gegen das Abkleben dieses Auges hat sie sich gewehrt. Im Sehtest zeigte sich dann aber die gleiche Sehstärke auf beiden Augen.
Gelegentlich schielt sie auch mit links, aber der Schielwinkel der Augen zueinander sei dabei stets gleich (Begleitschielen?). Im Anschluss an die Orthoptisitin musste meine Tochter noch 2x bei verschiedenen Leuten durch ein optisches Gerät gucken (u.a. beim Arzt) und die Diagnose "Normosensorisches Spätschielen" wurde gestellt. Wir haben auch direkt einen OP-Termin am 13.12.2021 bekommen. Am 1.12. ist das Vorgespräch mit der Anästhesie und der Oberarzt (?) wird sich meine Tochter nochmal ansehen. Was genau an dem Tag gemacht wird weiß ich jedoch nicht. Bis zum OP-Termin soll meine Tochter eine Prismenfolie vor dem rechten Auge tragen mit 35 cm / m.

Was mich wahnsinnig irritiert ist, das meine Tochter zwischendurch immer wieder Phasen hat, wo sie nicht schielt. Zuerst dachten wir es habe etwas mit Müdigkeit zu tun, aber es gab in den letzten Woche Tage, wo sie fast permanent geschielt hat. Und heute Abend z.B. hat sie über einen längeren Zeitraum gar nicht geschielt, obwohl sie müde war.

Können wir der Diagnose vertrauen? So eine OP ist ja keine Kleinigkeit.
Sie ist schon so schnell angesetzt.
Andere Sehschulen sind total überbucht, keine Ahnung ob wir so schnell eine Zweitmeinung bekommen können.

Vielen Dank im Vorfeld für Meinungen und Ratschläge!
Jessica