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Prismenbrille bei Kindern

Ich habe die Seite aufgrund eines Suchvorgangs zu "Winkelfehlsichtigkeit" gefunden und bin sehr erfreut, als Mutter eines LRS-Jugen endlich mal genau zu erfahren, was es damit auf sich hat.
Eine Freundin empfahl mir eine Prismenbrille um das Problem in den Griff zu bekommen und überreichte mir einen wirklich tollen Artikel. Die Inhalte sind den dieser Seite gleich! - Allerdings war ich mit meiner Tochter kürzlich beim Augenarzt und sparch diesen auf eine Korrektur mit Prismen an. Dieser war entsetzt und erzählte mir von einem 12-jährigen Jungen, der auch seit Schulbeginn mit einer solchen Brille korrigiert wurde und nun in eine Schielstellung getrieben wurde, die eine Operation nötig macht!!!
Mein Augenarzt riet mir von dieser Art von Brille ab mit der Begründung, dass das Gehirn dieser Kinder zu Faulheit erzogen wird und die Brillen jedes Jahr mehr Prismen benötigen! Gibt es Erfahrungswerte, die über Jahre gesammelt wurden? Können diese Kinder jemals wieder ohne Prismenbrille sehen?

Bitte informieren Sie mich über Ihre Erfahrungen, besonders ob es stimmt, dass durch eine Prismenbrille das Gehirn "faul" wird und ob die Augen in eine bestimmte Richtung schielen lernen.

Vielen Dank im voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Margit Hörig

Bild des Benutzers Andreas Polzer
Beigetreten: 1. März 2000 - 0:00

Hallo Frau Hörig,

es ist wichtig, das die Korrektion der Winkelfehlichtigkeit von einem erfahrenen Spezialisten nach der sog. MKH (Mess- und Korrektionsmethode nach Haase) am Polatest durchgeführt wird. Nur so ist überhaupt ein Erfolg zu erwarten. Andere Korrektionsmethoden führen häufig zu Über- oder Unterkorrektionen, die dann dem Auge mehr schaden als nützen.

Nach erfolgreicher Korrektion geht das Auge in seine natürliche Ruhelage, in den energieärmsten Zustand über. Die permanenten Anstrengungsbeschwerden verschwinden, das räumliche Sehen wird besser und damit in vielen Fällen auch die schulischen Leistungen.

Es ist falsch, das das Auge in eine Schielstellung getrieben würde. Vielmehr macht die Korrektion die tatsächliche, entspannte Ruhelage deutlich.
Es kann auch zu einer Verstärkung der prismatischen Korrektion kommen, falls eine Verkrampfung der äusseren Augenmuskeln bei der ersten Messung vorlag und die vollständige Ruhelage erst in der zweiten Messung gefuden wird.
In seltenen Fällen, bei sehr hohen Prismenwerten, kann es dann notwendig sein, das bestehenden Muskelungleichgewicht operativ zu "begradigen".
Die Ursache der Operation ist aber nicht die Prismenkorrektion an sich, sondern die Tatsache, daß die natürliche Fehlstellung der Augen durch die Korrektion erst gefunden wurde.

Selbstverständlich kann das Kind nach einer Korrektion auch weiterhin ohne Prismenbrille sehen, die derzeit bestehenden Probleme werden sich dann allerdings höchstwahrscheinlich wieder einstellen.

Anbei noch eine Stellungnahme zum Thema Prismenkorrektion von Volkhart Schroth, Kinderoptometrist aus Freiburg

>> Die vermeintliche Schädlichkeit der Prismen ist das meist verbreitete Vorurteil in augenärztlichen Kreisen, das jeder Grundlage entbehrt. Eine Prismenbrille ist nicht eingreifend, d.h. das Tragen einer Brille hat keinerlei nachhaltige Veränderung (bei gesunden Augen) zur Folge. Genau genommen ist jede Brille eine Prismenbrille, da nur durch diese Eigenschaft des Brillenglases, das Licht abzulenken, eine optische Wirkung entsteht.
Bei beabsichtigter prismatischer Wirkung genauso wie bei jeder anderen Glaswirkung stellt sich immer der ursprüngliche Zustand sehr schnell wieder ein, wenn die Brille abgenommen wird! In lediglich 3-6% aller Korrektionsfälle findet man hohe Messwerte und gelegentlich ein Ansteigen der Werte, weil sich vorher dauer-verkrampfte Augenmuskeln mehr und mehr entspannen. Es ist völlig unzutreffend, dass durch das Tragen der Prismenbrille eine Operation der Augenmuskeln notwendig würde.

Es ist ebenfalls falsch, dass Prismengläser von Augenoptikern „großzügig" verordnet werden, wie allein schon aus den Statistiken der Brillenglas-Hersteller zu entnehmen ist Lediglich 2-3% aller bestellten Gläser haben prismatische Wirkungen.

Die Messung der Winkelfehlsichtigkeit wird nicht nur mit nur einem Test vorgenommen, sondern erfordert eine aufeinander aufbauende Reihe von Tests mit genau definierten Anforderungen und Fragestellungen. Die Zuverlässigkeit der Messmethodik am Polatest, auch MKH= Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase genannt, ist mehrfach wissenschaftlich untersucht worden.
In einer in den Niederlanden durchgeführten Doppelblindstudie wurde kürzlich die Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit mit konventionellen Methoden verglichen. Beide Verfahren haben sich als effektiv bei der Beseitigung von subjektiven Sehproblemen und Kopfschmerzen erwiesen, die Prismenkorrektion war aber in den meisten Punkten leicht überlegen.
Mehr Infos zu dem Thema unter www.legasthenie-info.de

Viel Grüsse,

Andreas Polzer